Geschichten aus der Jugend – „Love-and-write-Parade“

Vor ein paar Wochen rief Sina Gritzuhn auf ihrem Blog zu einer „Love-and-write-Parade“ auf, zu der auch ich von ihr freundlich aufgefordert wurde, eine Geschichte zu kontribuieren:

Damit ihr genau im Bilde seid, worum es bei dieser Blogparade gehen sollte – Sina hatte alte Geschichten herausgekramt, die sie in ihrer Jugend geschrieben hatte und nun auf Wunsch mehrerer Leute auf ihrem Blog veröffentlichte. In diesem Zusammenhang stellte sich heraus, dass es noch mehr Leute gibt, die solche „Jugendsünden“ besitzen und so rief Sina auf, dass wir doch alle unsere Geschichten aus dem Keller kramen sollten.

Auch ich hatte ihr versprochen mitzumachen und sah es als sehr gute Gelegenheit meinen Blog mal wieder zu entstauben und Motivation zu erlangen, wieder öfter zu schreiben. Doch dann kam die Ernüchterung … ich fand sie nicht. Sollte ich sie tatsächlich bei meinem Umzug nach Lübeck weggeschmissen haben? Es sah ganz danach aus … so entschuldigte ich mich mehrfach und handelte bei Sina einen Kompromiss aus:

Und nun geschah kurz vor Weihnachten ein Wunder – ich suchte nach bestimmten Unterlagen und guckte dafür sämtliche Ordner durch und was erblickten plötzlich meine Augen – mein Geschichtenheft aus der zweiten Klasse, was ich als weggeschmissen dachte. Oh, was für ein Glück! Nach ein wenig Blättern kam mir dann sogar noch eine Geschichte in die Hände, die ich in der 5. Klasse geschrieben hatte. Und da ich es Sina versprochen hatte, will ich nun auch ein Mann meines Wortes sein und die Geschichten veröffentlichen, werde mich aber auf die Geschichte aus der 5. Klasse beschränken, da diese Geschichte eindeutig die beste ist. ;) Aus meiner weiteren Jugendzeit habe ich nichts mehr, da habe ich aber auch nicht viel geschrieben – ich fand es damals nicht so „cool“, war viel zu faul und hatte andere Dinge im Kopf …

Übrigens Sina – auch wenn ich die Geschichten nun doch noch gefunden habe, den Kaffee kriegst du trotzdem gern. :)

Und nun aber los. Viel Spaß:

Autor: Sebastian Franz, 5. Klasse, Deutschprojekt bei der wir bestimmte Stichwörter erhalten haben und darüber eine Geschichten schreiben sollten. Meine Stichwörter waren die foldenen:

  • Liebesgeschichte
  • verrückt
  • Aschenputtel
  • auf dem Wrack der Maria Doria
  • im Mittelalter
  • erst dramatische Liebesgeschichte, dann Untergang der Titanic

Aschenputtels Tagebuch

Donnerstag, 26. Juli 1411

Liebes Tagebuch!

Stell‘ Dir vor, was mir heute passiert ist:

Heute Morgen wurde ich in unserem Schloß Kunibert durch die laute, tiefe Stimme meines Vater geweckt: „Aschenputtel, Liebes, steh‘ auf – sonst bringe ich dich um!“ Ich antwortete: „Ja, Pap, ich komme gleich!“ Ich ging erst einmal aufs Klo und habe eine dicke Wurst gemacht. Dann zog ich mich an und ging ins Eßzimmer. Dort aß ich mit Papi und tanzte anschließend mit ihm Samba. Dazu sangen wir: „Guildo hat euch lieb!“ Dann sagte Papi: „Aschenputtel, nächste Woche fährt mein süßes, kleines Boot ‚Titanic‘ ab.“ Ich antwortete ihm, das würde mich nicht die Bohne kratzen und daß ich lieber in die Stadt fahren und shoppen gehen würde. Papi meinte, natürlich könnte ich shoppen gehen, aber er hätte unbedingt vor, mit mir nächste Woche auf der ‚Titanic‘ zu fahren, und er würde mir versprechen, daß sie nicht unterginge. Ich antwortete: „Ach, ich weiß nicht, Papi.“ „Überlege es dir bitte, Aschenputtel“, bat Papi, „ich würde mich riesig freuen, wenn du mit mir kommst!“ Ich versprach, es mir zu überlegen.

Dann rief Papi mir ein Taxi, was auch sofort da war. Die Stadt ist sehr groß, mußt du wissen. Ich ging so die Straße entlang, da fuhr plötzlich eine Kutsche an mir vorbei. Irgend jemand rief: „Das ist doch die Kutsche von Prinz Julian!“ Julian ist ein echter Kavalier, und er hielt sofort an. Ich stieg zu ihm in die Kutsche und fuhr ein Stückchen mit. Julian schlug vor, daß wir beide doch nächste Woche mit auf der ‚Titanic‘ fahren könnten. Dann hätten wir auch endlich die Gelegenheit, uns besser kennenzulernen. Ich fand die Idee gut und habe Papi sofort Bescheid gesagt, als ich aus der Stadt zurückkam.

Dein gespanntes Aschenputtel

Dienstag, 31. Juli 1411

Liebes Tagebuch!

Heute morgen ist etwas Furchtbares passiert! Ich stand schon am Hafen, wo auch die ‚Titanic‘ lag, die heute abfahren sollte. Ich dachte nur: „Papi hatte recht – die ‚Titanic‘ ist wirklich süß und klein! Es passen schließlich nur so ungefähr zweitausend Leute drauf!“ Ich wartete noch auf Julian, doch er kam und kam nicht. Plötzlich kam Papi angerannt. Er hatte die neue Ausgabe vom „Stormarner Tageblatt“ dabei. Er gab sie mir und auf der Titelseite sah ich ein großes Foto von Julian. Daneben stand: „Prinz Julian ermordet – Aventurien braucht einen neuen Thronfolger“: Ich fing sofort an zu heulen und warf mich an Papis Hals. Ich schluchzte: „Immer verfolgt mich das Pech. Wenn ich mit dir mitfahre, geht die ‚Titanic‘ bestimmt unter!“ Doch Papi zog mich trotzdem an Bord.

Dein trauerndes Aschenputtel

Freitag, 3. August 1411

Liebes Tagebuch!

Die letzten zwei Tage sind voll Trauer vergangen. Ich war nur in meiner Kabine und habe nichts gegessen. Gestern kam Papi und lud mich ein, zum Kapitänsdinner zu kommen. Ich wollte erst nicht, aber Papi schaffte es doch, mich zu überreden. Die Kapitänstafel war wunderschön hergerichtet. Als der Kapitän Bob Brown hereinkam, traf es mich wie ein Schlag, und ich wußte: Ich hatte Julian nie geliebt! Hier stand plötzlich mein Traummann vor mir. Der nächste Schlag folge allerdings sofort: Bobs Ehefrau Sally! Während des Essens fing Bob an, mir andauernd Komplimente zu machen, was Sally offensichtlich nicht gut fand. Schließlich lud er mich sogar zum Essen ein, und da rastete Sally dann ganz aus und lief schreiend in ihre Kabine. Bob lachte nur. Er verriet mir, daß er Sally nie geliebt hätte und daß er sie nur aus Geldgründen geheiratet hätte. Ihre Ehe wäre nie glücklich gewesen, und meinetwegen würde er sich jetzt sofort scheiden lassen. Was dann mit dem Geld wäre, wäre ihm egal. Er würde nur mich lieben! Ist das nicht fantastisch?!?!?!?!

Dein überglückliches Aschenputtel

Freitag, 24. August 1411

Liebes Tagebuch!

Inzwischen sind drei Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen, und es ist wirklich viel passiert. Zwei Tage, nachdem ich mich in Bob verliebt hatte, standen wir am Heck der ‚Titanic‘, als es plötzlich einen großen Knall gab. Sofort brach Panik aus, und alle Leute riefen: „Hilfe! Die ‚Titanic‘ geht unter!“ Tatsächlich konnten wir schon merken, daß sie langsam im Wasser versank. Wir klammerten uns aneinander und versuchten, uns irgendwie am Gitter festzuhalten. Der Bug ging unter, und die ‚Titanic‘ brach plötzlich in der Mitte durch. Einige Leute schwammen schon im Wasser, als langsam auch das Heck zu sinken begann. Da rannte Sally plötzlich auf uns zu zu stieß Bob vom Heck hinunter ins Wasser. Er fiel auf die Schiffsschraube, brach sich das Genick und war sofort tot. Ich schrie Sally an: „Warum hast du das getan?“ Sie schrie zurück: „Wenn er mich nicht will, sollst du ihn auch nicht haben, du dumme Kuh!“ Ich beachtete sie nicht weiter, steckte Dich, mein liebes Tagebuch, unter mein Kleid und sprang vom heck ins Wasser. Ich tauchte tief unter und schwamm eine Weile herum. Da sah ich plötzlich das Wrack der ‚Maria Doria‘. Dort wurde ich von Haien angegriffen, konnte sie aber zum Glück in die Flucht schlagen. Als ich wieder auftauchen wollte, hielt irgend etwas mich am Bein fest. Ich drehte mich um und sah Sally, die versuchte, mich wieder unter Wasser zu ziehen. Es entbrannte ein harter Kampf zwischen uns, und da ich dir heute erzählen kann, was passiert ist, kannst du dir denken, wer der Sieger war. Allerdings hatte ich auch Hilfe von einem starken, nein, sehr starken, nein, sehr sehr starken Mann! Der versetzte Sally einen Kinnhaken, daß sie ins Wrack der ‚Maria Doria‘ geschleudert wurde und dort jämmerlich ertrank.

Als wir an die Wasseroberfläche kamen, fragte ich meinen Retter, warum er mir geholfen hätte. Er antwortete: „Hätte ich dich, schönes Weib, umkommen lassen sollen? Und dann noch durch diese Sally? Ich kenne sie nämlich von früher, und sie hat schon einige Leute auf ihrem Gewissen!“ Ich wußte gar nicht mehr, was ich sagen sollte, und schwieg. Inzwischen waren Rettungsboote im Wasser zu sehen, und wir kletterten in eins hinein. Ich wollte doch wissen, wer mein holder Retter war, und fragte ihn nach seinem Namen. Er hieß Mickey Maus – ist das nicht toll! So einen schönen Nachnamen habe ich mir schon immer gewünscht! Und wenn ich ihn heirate, werde ich schließlich Frau Maus werden, nicht wahr?

Na ja, wir erzählten uns noch lange ulkige Geschichten und vieles mehr, als wir in dem Rettungsboot saßen. Schließlich tauchte ein großes Schiff auf und nahm alle Leute in den Rettungsbooten an Bord. So waren wir schließlich in Sicherheit!

Dein gerettetes Aschenputtel

Sonntag, 2. September 1411

Liebes Tagebuch!

Heute ist der glücklichste Tag meines Lebens! In ungefähr zwei Stunden werde ich endlich Frau Maus sein – ist das nicht toll? „Aschenputtel Maus“ – das hört sich doch wirklich gut an, oder wie findest Du das? Unsere Flitterwochen werden wir in Disneyland verbringen. Und ganz sicher werden wir nicht mit dem Schiff dorthin fahren! Papi wurde übrigens auch gerettet und ist überglücklich, daß ich heirate. Er und Mickey verstehen sich ausgezeichnet, und Papi hat jetzt eine viel bessere Figur, weil Mickey ihn jeden Tag trainiert hat!

In den nächsten drei Wochen wirst Du, liebes Tagebuch, nichts mehr von mir hören, denn in den Flitterwochen werde ich mich ganz auf meinen Mickey konzentrieren.

Tschüß – bis bald!

Dein „bald!“ verheiratetes Aschenputtel

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2 Antworten zu “Geschichten aus der Jugend – „Love-and-write-Parade“

    • Haha, ich danke dir. :) Ich musste gestern beim Abtippen auch das ein oder andere Mal herzlich lachen. Das schöne ist – es ist unverkennbar, dass ich das geschrieben habe. Einige Sachen würd ich wahrscheinlich immer noch so schreiben, wenn ich die Geschichte heute schreiben würde. ;)

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